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Die Geschichte des kanadischen Holzhandels

Holz war für einen Großteil des 19. Jahrhunderts das Hauptgeschäft des kanadischen Handels. Angeheizt durch die europäische Nachfrage, brachte der Holzhandel Investitionen und Einwanderung in den Osten Kanadas, förderte die wirtschaftliche Entwicklung und veränderte die Umwelt weitaus radikaler als die frühere Nutzung von Fischen und Pelzen. Er förderte die Erkundung, den Bau von Städten, Dörfern und die Eröffnung von Straßen. Obwohl Holz eine wichtige Einnahmequelle für Kanada war, trug es zeitweise auch zu wirtschaftlicher Instabilität bei. Im Laufe der Geschichte der Holzindustrie führten Wetterbedingungen, kommerzielle Unsicherheiten und unvollkommene Marktinformationen zu großen Schwankungen in der Nachfrage nach Holz, und dem Preis hierfür.

Holzfällung und Stammtransport
Die Holzgewinnung war im Wesentlichen eine Arbeit im Winter, die mit dem ersten Schneefall begann. In dieser Jahreszeit waren nicht nur billige Arbeitskräfte im Überfluss vorhanden, sondern es war auch einfacher, Bäume zu fällen, wenn der Saft nicht floss, und die Stämme waren leichter durch den Schnee zu ziehen. Im Herbst errichteten die Holzfäller Lager und räumten unwegsame Straßen, um Heu und Proviant zu transportieren und Stämme oder Holz zu den Flüssen zu bringen. Die Industrie hing stark von den Muskeln der Menschen und der Tiere ab, da bis etwa 1912 manuelle Holzfällertechniken verwendet wurden. Ursprünglich bedienten sich die Männer der Hilfe von Ochsen, später wechselten sie zu Pferden und setzten diese bis in die 1920er Jahre ein. Die bei weitem wichtigste Neuerung war die Dampfwinde, die um 1897 aus den USA eingeführt wurde und Stämme bis zu 150 m weit ziehen konnte. Eine weitere Neuerung war das seilgestütze Rückesystem, bei dem eine Leine hoch über den Rutschpfaden die Stämme über Hindernisse zog oder hob.

Die Bäume wurden normalerweise bis in die 1870er Jahre mit verschiedenen Arten von Äxten gefällt, dann setzte sich allmählich die Schrotsäge durch, und die Stämme wurden damit auf Blocklänge gekürzt. Das Holz wurde durch Äxte quadratisch zugerichtet, da quadratische Blöcke leichter zu lagern und auf Schiffen zu transportieren waren als runde Stämme. Der Prozess des Quadrierens eines Stammes begann damit, dass man das Holz an zwei Seiten ‚linierte‘, also die Maße des gewünschten Quadrats auf den Stammenden anzeichnete, und dann der Markierung entlang quer zur Länge einschnitt, um das unerwünschte Splintholz in groben Stücken mit der Axt zu abzubeilen. Danach wurden die Seiten des Stammes grob behackt und anschließend mit Breitäxten glatt behauen. Der Vorgang wurde dann nach einer Vierteldrehung an den anderen Seiten des Stammes wiederholt. Vor dem Transport wurden die Enden des Blocks pyramidenförmig zugeschnitten.

Eine Schneestraße erleichterte den Transport der Stämme und Balken zu den Flussufern mit Ochsen oder Pferden sehr. Bei Einsetzen von Tauwetter begann der eigentliche Holztransport. Mit Eisen- oder Flößerhaken ausgerüstete Männer arbeiteten oft in eiskaltem Wasser und begannen mit der gefährlichen Aufgabe, die Blöcke in die durch schmelzenden Schnee überlaufende Bächen zu bugsieren. Wenn offenes Wasser erreicht werden konnte, oder wo Wasserfälle und Stromschnellen durch Holzrutschen umgangen werden konnten, wurden Stämme und Holz zu Flößen zusammengestellt, um flussabwärts zu Mühlen oder zu Flussmündungen geschifft zu werden, von wo aus sie ins Ausland verschifft wurden. Als Dampfkraft die Wasserkraft ablöste, erhöhte sie die Kapazität und verlängerte die Betriebszeit der Mühlen; es blieb jedoch der Wintereinschlag. Obwohl die Eisenbahn die Abhängigkeit der Industrie von den Flüssen für den Holztransport zu den Fabriken verringerte, lag ihre anfängliche Bedeutung in der Beförderung des Holzes von der Fabrik zum Markt, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten spezialisierte Holzeisenbahnen immer noch nur einen geringen Einfluss auf die ostkanadischen Betriebe.

Der Handel mit Schiffsmasten
Große Masten, die für die Royal Navy aus den besten Bäumen des Mischwaldes  geschnitten wurden, der die Maritimes und das St. Lawrence-Tals durchzog, waren das wertvollste Handelsgut der Wälder. Von British-Columbien. Da der Handel mit Schiffsmasten durch seine spezialisierten und hohen Anforderungen immer sehr begrenzt war, verlagerte dieser sich Anfang des 19. Jahrhunderts vom Saint-John-Tal in das St. Lawrence-Tal, als die Unternehmer auch nach Eiche aus den Laubwäldern des Gebiets südlich der Großen Seen suchten. Die Kantholzindustrie entwickelte sich rasch, um die enorme Nachfrage Großbritanniens zu befriedigen, das sich im Krieg mit Frankreich befand und ebenfalls in der Industrialisierung steckte.

Im Jahr 1806 errichtete Napoleon die Kontinentalsperre, um die britische Wirtschaft zu unterbinden, und sperrte damit alle europäischen Häfen für britische Schiffe. Da die die Ostsee als traditionelle Holzquelle Großbritanniens in dieser Zeit nicht zugänglich war, förderte die Blockade die britische Industrie in Nordamerika zusätzlich. Im Durchschnitt kamen zwischen 1802 und 1805 jährlich 9.000 Ladungen (jeweils ca. 1.500 m3) Kolonialholz nach Großbritannien, und diese Zahl stieg weiter an: Im Jahr 1807 waren es 27.000, im Jahr 1809 schon 90.000, im Jahr 1840 über 500.000 und im Jahr 1846 dann 750.000 Ladungen. Danach schwankten die Einfuhren 20 Jahre lang um 600.000 Ladungen und gingen dann bis zum ersten Weltkrieg zurück.

Der Schnittholzhandel
Trotz der Bedeutung des Schiffsmasthandels waren Schnittholz und Kantholz die wichtigsten Produkte der Holzindustrie. Sägewerke produzierten als Schnittholz meist zu Bohlen und Brettern aufgesägte Stämme. Kanthölzer, in den Küstenstaaten als "Tonnenholz" bekannt, waren mit Äxten grob behauene Holzstämme, die nach England verschifft und dort oft weitergesägt wurden. Für den Markt galten strenge Vorgaben: Das Holz durfte eine "Schräge" und eine leichte Verjüngung aufweisen, aber diese Vorgaben variierten je nach den Abmessungen des Stammes und veränderten sich mit der Zeit. Der Verschnitt war beträchtlich: 25-30 % eines jeden Baumes wurden weggeworfen.

Die Entwicklung des Holzhandels lässt sich nur schwer zusammenfassen, da die internationalen Märkte weit voneinander entfernt waren. Ab den 1830er Jahren wurden immer größere Mengen Holz aus Britisch-Nordamerika nach Großbritannien, in die USA und auf die Westindischen Inseln verschifft. In der Zeit des Gegenseitigkeitsabkommens mit den USA und des Baus von Eisenbahnen und Kanälen wuchs die Bedeutung des amerikanischen Marktes: Zwischen 1864 und 1866 wurden 400 Millionen Brettfuß britisch-nordamerikanisches Holz über Oswego, NY, verschifft, und die Holzexporte der kanadischen Provinz in die USA hatten 1866-67 einen Wert von fast 7 Millionen Dollar. Diese Zahlen sind zwar beeindruckend, aber bis in die 1880er Jahre waren die kombinierten Holzverkäufe nach Großbritannien immer noch wertvoller als die in die USA. Erst 1905 entfiel mit Einfuhren im Wert von rund 18 Millionen Dollar mehr als die Hälfte der kanadischen Ausfuhren von Forstprodukten auf die USA.

Die Ausbeutung der Wälder
Die Kiefer war die wichtigste Holzart der Industrie, aber auch Birke, Weißeiche, Ulme, Esche, Linde, Butternuss und Zeder wurden in geringen Mengen eingeschlagen und zu Kanthölzern verarbeitet, Fichten- und Hemlocktannenholz gewann nach der Jahrhundertmitte an Bedeutung.
Die Ausbeutung der Kiefer erfasste rasch ein großes Gebiet. Im Jahr 1810 waren nur die Randgebiete der Kiefernwälder von New Brunswick abgeholzt worden, und das Gebiet zwischen Ottawa und Gatineau markierte die Grenze der Holzfällerei im Landesinneren von Britisch-Nordamerika. Doch bis 1835 blieb kaum ein Nebenfluss der Flüsse Miramichi, Saint John und Ottawa unerschlossen. Bis 1850 war ein Großteil des Kiefernholzes in den besser zugänglichen Flussabschnitten dieser Flusssysteme geerntet worden, und der Handel von vielen kleinen Häfen und Küstenbuchten aus war eingestellt worden. Die Abhängigkeit der Industrie von den Wasserläufen für den Transport des Holzes zu den Märkten wurde durch die Eisenbahn durchbrochen und das Hinterland der Seen Lake Ontario und Lake Erie für den Handel erschlossen.
Die Exporte aus dem Gebiet um Peterborough verfünffachten sich mit der Einführung der Eisenbahn im Jahr 1854, und zwischen 1851 und 1861 stieg Simcoe County von der Bedeutungslosigkeit zur Vormachtstellung unter den Holzproduzenten in Kanada-West auf. Entlang der Eisenbahnlinien, die nach Norden in den Kanadischen Schild vordrangen, entstanden immer mehr Sägemühlen.
Die Regierung konnte diesem Ansturm auf die Wälder nur langsam Einhalt gebieten. Anfänglich wurden die Wälder in Britisch-Nordamerika durch das kaiserliche "Broad Arrow"-System, bei dem bestimmte starke Bäume mit dem königlichen breiten Pfeil markiert wurden, nur sehr wenig geschützt.
Das Verfahren, bei dem bestimmte Bäume mit breiten Pfeilen markiert wurden, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in Nordamerika eingeführt, um wertvolle Bäume für die königliche Marine zu reservieren.

Als die Nachfrage nach 1806 stieg, wurden Schutzgebiete der Krone (Land, das Großbritannien gehörte) verletzt, und die zu ihrem Schutz ernannten Landvermesser profitierten von dem administrativen Durcheinander. 1824 wurde in New Brunswick und 1826 in Ober- und Niederkanada ein einheitliches Regulierungssystem eingeführt. In den Provinzen des britischen Nordamerikas mit Ausnahme von Neuschottland wurde durch den Verkauf von Lizenzen ein zeitlich befristetes Recht zum Fällen von Bäumen erteilt, das der Regierung Einnahmen bescherte. In regelmäßigen Abständen wurde versucht, den illegalen Holzeinschlag und das unerlaubte Betreten der Wälder einzuschränken, was die auf Einnahmen bedachten Verwalter verärgerte, aber die Grundprinzipien des Kronbesitzes und der Pacht der Lizenzen wurden beibehalten. In deutlichem Gegensatz zum amerikanischen Muster hat das heutige kanadische Forstrecht mit Ausnahme des in Nova Scotia geltenden Rechts,  geprägt durch das Zusammenspiel von Tradition, Eigeninteresse und den Beschränkungen einer riesigen und feindlichen Umwelt - etwas von der konservativen Idee des 18. Jahrhunderts bewahrt, wie der Staat dem Gemeinwohl dienen sollte.

Vom Klein- zum Großbetrieb
Vor 1825 wurde das meiste Holz in Britisch-Nordamerika von kleinen, unabhängigen Betrieben produziert, viele von ihnen waren Farmer, die die Arbeit in ihrer Nebensaison anlockte. Gutes Holz war leicht verfügbar und es war wenig Kapital erforderlich, um in das Geschäft einzusteigen. Um 1850 jedoch, als die Holzfällerei in immer entlegenere Gebiete vordrang, fielen erhebliche Kosten für die Räumung der mit Geröll übersäten Bäche für den Holztransport zu Wasser an. Die Regulierungen wurde strenger, und der rückläufige Handel verschärfte den Wettbewerb. Es entstanden große spezialisierte Betriebe, während kleinere Unternehmen an den Siedlungsgrenzen fortbestanden. Die fähigen, kapitalkräftigen und gut vernetzten Unternehmen dominierten den Handel, indem sie Lizenzen erwarben, Holzfällertrupps unter Vertrag nahmen, große, effiziente Sägewerke bauten und eigene Schiffe oder Eisenbahnen betrieben. In den 1840er Jahren kontrollierten zum Beispiel Joseph Cunard sowie drei Niederlassungen der großen schottischen Firma Pollok, Gilmour und Co. auf diese Weise praktisch den Handel im Nordosten von New Brunswick. Auch im St.-Lorenz-Tal spielten Niederlassungen dieser Firma wichtige Rollen. William Price, der 'Vater von Saguenay', soll in den 1830er Jahren 1000 Mann beschäftigt haben, und 1842 verfügte er über Sägewerke in Chicoutimi
und einen Dampfschlepper, um Schiffe den St. Lawrence-Strom hinaufzuziehen. Im Ottawa-Land produzierte J.R. Booths Firma in den 1870er Jahren über 30 Millionen Brettfuß Kiefernschnittholz, und im nächsten Jahrzehnt baute diese die Canada Atlantic Railway, um der Stämme aus ihren Einschlägen in Parry Sounds zu transportieren. In West-Kanada erzielten die Firmen von Mossom Boyd und D.D. Calvin ähnlich spektakuläre Erfolge. Der frühe, eher formlose Handel wich einer Industrie, die von relativ wenigen reichen Familienunternehmen und Partnerschaften dominiert wurde. So wurde die chronische Instabilität der frühen Jahre etwas reduziert. Als im 20. Jahrhundert die Produktion von Zellstoff für Papier wuchs, stieg der Kapitalbedarf weiter an. Viele Firmen schlossen sich zusammen und formten die Unternehmensdominanzen, die die Forstindustrie noch heute prägen.

Westküste
Verglichen mit der Situation im Osten Kanadas wurden Innovationen in den rauen, gerade neu erschlossenen Gebieten der Westküste schneller akzeptiert. Die Arbeits- und Lebensbedingungen verbesserten sich, da die städtischen Industrien und die Holzfällerlager an der Westküste um Arbeitskräfte konkurrierten. In Verbindung mit der Eröffnung des Panamakanals und der Erschöpfung der östlichen Wälder bedeuteten diese Veränderungen, dass sich das Zentrum der kanadischen Holzproduktion allmählich nach Westen verlagerte, obwohl die östliche Holzindustrie bis in die 1930er Jahre hinein viel von ihrem traditionellen und Saisoncharakter behielt.

Obwohl James Cooks Männer bereits 1778 Baumstämme für Masten auf Vancouver Island geschlagen hatten, begann die berufliche Holzfällerei in British Columbia erst in den 1850er Jahren. Die Industrie nutzte bevorzugt die riesigen Douglas-Tannen und Rotzedern in der Nähe der Küstengewässer und bediente Märkte, die rund um den Pazifik bis nach Südafrika verstreut waren.

Mit der Fertigstellung der Canadian Pacific Railway in den 1880er Jahren wurde dieser Frachthandel durch den Handel in Richtung Osten ergänzt. Bald war das Holz aus Britisch-Kolumbien weltweit beliebt. Der Holzeinschlag an der zerklüfteten Westküste erforderte eine große Anpassung der Techniken der Ostküste: Es wurden dreimal so viele Ochsen benötigt; Schneestraßen gab es im milderen Küstenklima nicht. Deshalb mussten zum Transport Rutschbahnen aus Baumstämmen gebaut werden, und die riesigen Stämme wurden wegen des großen Durchmessers weiter oben über der Wurzel abgesägt. Das bedeutete, dass jeder der beiden Holzfäller mit seiner Axt ein springboard genanntes Steckbrett benötigte, auf dem er stehen konnte; und es wurden schwere Äxte mit zwei Schneiden entwickelt.
Im Jahr 1910 übertraf die Produktion von British Columbia die von Québec. Im Jahr 1917 übertraf sie die Produktion jeder anderen Provinz, und in den späten 1920er Jahren produzierte Britisch-Kolumbien die Hälfte von Kanadas jährlichem Holzeinschlag. Wie im Osten brachten sowohl Eisenbahnen als auch Wasserstraßen das Holz zu den Sägewerken oder Häfen. Heute nutzt die Industrie vor allem Lastwagen. Die Forstwirtschaft ist immer noch ein wichtiger Teil von Kanadas Exporteinnahmen.

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